Videotranskription:
Im Jahr 2001 wurde ich Vorsitzender des Planungsbeirates für die Planung der forensischen Klinik Amelsbüren. Es ist eine Einrichtung der Alexianer Brüdergemeinschaft, die sich um diese Maßnahme beworben hatten, da diese in ihr Konzept von Psychiatrie gut hineinpasste. Es gab in der Bevölkerung sofort Proteste, bis hin zu einer Bürgerinitiative. In dem Zusammenhang fragte man mich, als den Vorsitzenden des Diözesan-Caritasverbandes, ob ich bereit sei, den Vorsitz im Planungsbeirat zu übernehmen. Was ich dann getan habe, da der Diözesan-Caritasverband diese Maßnahme unterstützte.
Was sind also die inneren Motive, die mich bewegen, dieses Amt zu übernehmen? Für mich ist die forensische Klinik ein Sonderkrankenhaus, in dem schuldunfähige oder schuldgeminderte Straftäter zunächst einmal so behandelt werden, dass sie keine Gefahr für die Bevölkerung darstellen. Weiterhin möchte ich sagen, das Sonderkrankenhaus dient vor allen Dingen der Therapie dieser Menschen. Sie verlieren, auch wenn sie schlimme Taten getan haben, nicht ihre Würde als Menschen. Das mit zu garantieren, war eine innere Motivation für mich. Vom christlichen Glauben her möchte ich sagen, dass wir zwischen Personen und Tat unterscheiden. Selbst die schlimmste Tat, das schlimmste Verbrechen, das jemand tun kann, mindert nicht sein Personsein, sein Menschsein. Das deutlich zu machen, war meine Motivation. Auf der anderen Seite sehe ich natürlich auch die Ängste der Bevölkerung, die Ängste der Nachbarn, die ja nun berechtigt sind, und die man nicht einfach wegwischen kann.
Der Staat hat als Zweck unter anderem die Sicherheit der Bürger zu garantieren. Nur auf diese Art und Weise kann jeder seine Freiheit leben. Sicherheit ist aber nicht etwas, was zu erreichen ist nach dem Motto, der Zweck heiligt die Mittel. Er ist immer wieder daran gebunden, die Menschenwürde aller zu garantieren. Er muss aber auch Sicherheit herstellen, und da klafft eine Diskrepanz. Die ist da, weil hier Straftäter in diesem Sonderkrankenkrankenhaus, oder wie es andere nennen, in dieser forensischen Klinik, in einer Art Maßregelvollzugseinrichtung sind, eventuell sogar für immer. Aber sie verlieren nicht ihre Würde. Dass sie ihre Würde nicht verlieren, bedeutet, dass es Lockerungsmaßnahmen gibt und dass die Therapie dazu führen kann, dass sie wieder entlassen werden. Davor haben auf dem Hintergrund bestimmter Ereignisse natürlich manche Angst. Da es sich aber um die Würde von Menschen handelt, kann man sie nicht dauerhaft einsperren und sie einfach nur, weil sie eine Straftat begangen haben, schuldgemindert oder schuldunfähig, immer einsitzen lassen. Das ist die Sache der Psychotherapie, der Fachleute, die sich mit den Menschen auseinandersetzen. die Menschen behandeln.
Diese Diskrepanz, die da auftaucht, muss ein freiheitlicher Rechtsstaat in Kauf nehmen. Diktaturen gehen damit anders um. Sie schaffen aber nur so Sicherheit, dass sie die Freiheit aller beeinträchtigen. Diese Art von forensischer Klinik ist eine Möglichkeit, wie ein demokratischer Rechtsstaat mit solchen Straftätern umgehen kann, in dem er die Würde aller dadurch schützt.
Ich wurde immer wieder gefragt, ob denn nicht auch an die Opfer gedacht werden müsse. Natürlich muss an die Opfer gedacht werden, aber das ist ein anderes Thema, und das muss anderswo geregelt werden. Das ist nicht Sache einer solchen forensischen Klinik.