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Pressemitteilung

16.10.2015 | Emanzipation, Gesundheit: Ministerin Steffens: Gesundheitspreis NRW geht an das Projekt „Flüchtlinge im Blick" der pro familia Beratungsstelle Bonn

Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen teilt mit:

 

Für Flüchtlinge ist das deutsche Gesundheitssystem kaum zu durchschauen, in den Herkunftsländern gibt es oft nur unzureichende oder von Traditionen geprägte Gesundheitsinformationen. Das Projekt „Flüchtlinge im Blick“ der pro familia Beratungsstelle Bonn berät und unterstützt vor allem Frauen und Mütter direkt in den Flüchtlingsunterkünften und wird dafür mit dem Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen 2015 ausgezeichnet, der mit 3.000 Euro dotiert ist.

„Das niedrigschwellige Angebot und die aufsuchende Arbeit der pro familia Beratungsstelle sind beispielhaft dafür, wie wir die gesundheitliche Versorgung von Flüchtlingen – insbesondere Frauen – verbessern können. Durch Informationen, individuelle Unterstützung und Vernetzung gelingt zunehmend eine Integration in die Regelversorgung. Die Beratungen in Asylunterkünften, Deutschkursen oder Gemeindecafés sind auch ein wichtiger Schritt, um die Prävention für geflüchtete Frauen und Kinder zu stärken“, sagte Ministerin Barbara Steffens anlässlich der Bekanntgabe der Preisträger heute (16. Oktober 2015) in Düsseldorf.

Neben Schwangerschaft, Geburt, Impfungen, Vorsorgeuntersuchungen und Kindergesundheit werden auch Themen wie Verhütung, sexuell übertragbare Krankheiten oder psychische Probleme angesprochen. Dies ist nur durch die Mitarbeit ehrenamtlicher Helferinnen möglich, die überwiegend selbst eine Flüchtlingsgeschichte haben. Sie sind nicht nur Übersetzerinnen, sondern finden durch gemeinsame kulturelle Erfahrungen auch leichter Zugang zu den Frauen. Im Rahmen des Projekts werden die Ehrenamtlichen fachlich in den Bereichen Gesundheit sowie Sozial- und Asylrecht geschult. Die Vernetzung mit anderen Institutionen im Sozial- und Gesundheitsbereich trägt dazu bei, dass Flüchtlinge zunehmend Regelangebote von Beratungsstellen und Gesundheitsversorgung nutzen. Die in Bonn entwickelten Methoden und Erfahrungen wurden dokumentiert und können in anderen Beratungsstellen eingesetzt werden.

Der Schwerpunkt des Gesundheitspreises Nordrhein-Westfalen war in diesem Jahr die Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Menschen in prekären Lebensverhältnissen. Vier weitere Preisträger werden 2015 ebenfalls mit 3.000 Euro ausgezeichnet:

  • Das Projekt „Behindertenorientierte Zahnmedizin“ der Universität Witten/Herdecke verbessert unmittelbar die zahnmedizinische Versorgung und Prävention behinderter Menschen. Im Rahmen des Projekts wurde auch der einzige Lehrstuhl für Behindertenorientierte Zahnmedizin im deutschsprachigen Raum geschaffen, so dass Lehre und Forschung auf diesem Gebiet langfristig unterstützt werden.
  • Der Verein „Medizinische Hilfe für Wohnungslose Düsseldorf“ engagiert sich seit 20 Jahren für die gesundheitliche Versorgung Obdachloser und anderer Menschen, die nicht durch die Regelversorgung erreicht werden. Der Verein betreibt unter anderem „Die Obdachlosenpraxis Düsseldorf“, bietet Krankenzimmer an, vernetzt Medizin, Pflege sowie Sozialarbeit und baut seine Strukturen kontinuierlich aus.
  • Das Projekt „Arbeitslosigkeit und Gesundheit – integrierte Gesundheits- und Arbeitsförderung für die Stadt Essen“ der Kommunalen Gesundheitskonferenz Essen und des Jobcenters Essen widmet sich den besonderen Bedarfen von Langzeitarbeitslosen. Mit Hilfe eines umfassenden Netzwerks werden Arbeitslose in Angebote der Gesundheits- und Arbeitsförderung vermittelt, die die individuelle Lebens-, Arbeits- und Gesundheitssituation der einzelnen Betroffenen berücksichtigen. Arbeitsvermittlung, Sozialarbeit und Gesundheitswesen entwickeln auch gemeinsam neue passgenaue Angebote für die Zielgruppe. Im Ergebnis steigen durch die Verbesserung der körperlichen und psychischen Situation der Teilnehmenden ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz.
  • Einen Sonderpreis erhält das Projekt „Brückenschlag – phasenübergreifende Unterstützung für krebskranke Eltern und ihre minderjährigen Kinder“ des Euregionalen Comprehensive Cancer Centers Aachen. Das Projekt vernetzt vorbildlich Ärzteschaft, Krankenkassen, Jugendämter und weitere Kooperationspartner, um die Betroffenen in ihrer organisatorisch und emotional belastenden Situation zu unterstützen. Insbesondere die frühzeitige, kontinuierliche und langfristige Betreuung der Kinder – auch über den Tod des krebserkranken Elternteils hinaus – zeichnet das Projekt aus.

Die Vorauswahl der Preisträger traf eine Jury der Landesgesundheitskonferenz, in der alle wesentlichen gesundheitspolitischen Institutionen des Landes vertreten sind. Die endgültige Entscheidung lag bei Gesundheitsministerin Barbara Steffens. Insgesamt haben sich 66 Institutionen mit 73 Projekten beworben.

Hinweis: Die diesjährige Preisverleihung des Gesundheitspreises durch Gesundheitsministerin Barbara Steffens findet am 10. Dezember 2015 im Landtag NRW statt.


Hintergrund:

Der „Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen“ wird jährlich im Rahmen der von der Landesgesundheitskonferenz beschlossenen Landesinitiative „Gesundes Land Nordrhein-Westfalen“ vergeben. Maßgeblich für eine Auszeichnung sind unter anderem der Innovationscharakter eines Projektes und die gesundheitswissenschaftliche Bewertung der Anträge. Ein weiteres Kriterium ist die Nachhaltigkeit der Projekte, etwa dass die inhaltliche Arbeit nach Beendigung der Projektphase weitergeführt werden kann, die Ergebnisse beispielhaft für die Versorgung in der Fläche sind oder Grundlagen für zukünftige Verbesserungen im Gesundheitssystem geschaffen werden.

Weitere Informationen zu den Preisträgern und dem Gesundheitspreis im Internet unter www.gesundheitspreis.nrw.de


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