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Pressemitteilung

28.08.2013 | Gesundheit: Ministerin Steffens: Immer mehr psychische Erkrankungen - Gesundheitssystem alleine kann Entwicklung nicht stoppen

Das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen teilt mit:

Immer mehr Menschen werden psychisch krank. Das belegen zahlreiche Studien. "Der Druck steigt in allen Lebensbereichen und bei allen Altersgruppen. Bald jeder zweite Erwachsene in Deutschland wird inzwischen mindestens ein Mal in seinem Leben psychisch krank", erklärte Ministerin Steffens heute (28. August 2013) in Düsseldorf. "Die Zahl der Beschäftigen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung vorzeitig in Rente gehen müssen, ist in Nordrhein-Westfalen innerhalb von zehn Jahren um 70 Prozent gestiegen. Bundesweit nimmt die Verordnung von Psychopharmaka bei Kindern und Jugendlichen deutlich zu; auch bei Älteren ist der Konsum bedenklich hoch. Diese alarmierende Entwicklung wird das Gesundheitssystem allein nicht stoppen können. Notwendig ist auch eine breite gesellschaftliche Debatte darüber, wie wir allgemein wieder zu einem gesünderen Leben zurückfinden können", so Steffens weiter.


Im Kern sind nach Ansicht der Ministerin die Ursachen für die Zunahme psychischer Belastungen auch auf eine erhöhte Grundbelastung durch steigende Komplexität im Berufs- wie im Privatleben zurückzuführen. Dazu zählten zum Beispiel auch vermeintlich banale Dinge wie:

  • die ständige Erreichbarkeit durch moderne Kommunikationsmittel sowohl beruflich als auch privat und die damit verbundene Informationsflut. Folgen: kein Abschalten, fast keine Ruhephasen mehr, Überforderung;
  • die Kompliziertheit von Kaufentscheidungen, beispielsweise bei der Wahl von Handytarifen (über 4000 Möglichkeiten in Deutschland), Stromtarifen (383 unterschiedliche Angebote in einer mittelgroßen Ruhrgebietsstadt) oder Kfz-Versicherungen.


"Schon Kinder müssen den Anforderungen der Leistungsgesellschaft genügen. Statt Zeit zu haben, sich selbst zu erfahren, sind manche Fünfjährige mit einem frühkindlichen Bildungsprogramm verplanter als Erwachsene", beklagt die Ministerin. Beschleunigung präge die Lebensweise in fast allen Altersgruppen. Steffens: "Auch Krankheit wird von vielen nicht mehr als Signal des Körpers verstanden, dass er Ruhe zur Selbstregulation braucht. Nein, die Symptome werden möglichst schnell bekämpft, damit der Körper in kürzester Zeit wieder funktionstüchtig ist. Selbst Kinder können sich häufig nicht mehr wirklich auskurieren, weil ihre Eltern im Berufsleben weiter ,funktionieren' müssen, was mit einem kranken Kind meist nicht so einfach möglich ist."


Der Stress für jede und jeden Einzelnen werde immer größer, das Immunsystem könne sich nicht mehr erholen. "Beschleunigung und Stress bestimmen das Leben. Doch seelische Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung für Lebensqualität und Leistungsfähigkeit", betont Ministerin Steffens.


Als Reaktion auf die Zunahme psychischer Erkrankungen hat das Land mit dem neuen Krankenhausplan die Voraussetzungen zur Erweiterung der Zahl der Betten und Plätze zur stationären psychiatrischen Versorgung in Nordrhein-Westfalen um 12,5 Prozent geschaffen (2013: 18.077 Plätze, Ziel 2015: 20.332 Plätze). Darüber hinaus investiert die Landesregierung insgesamt 2,2 Millionen Euro in Maßnahmen zur Verbesserung von Hilfsangeboten. Rund 1,9 Millionen Euro der Fördermittel stehen für in die Landesinitiative 'Starke Seelen durch starke Netze' zur Verfügung mit dem Ziel, die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu stärken.


Für die ambulante Versorgung werden die Rahmenbedingungen auf der Bundesebene festgelegt; die Sicherstellung selbst obliegt den jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigungen. Das Land unterstützt jedoch Verhandlungen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern zur Erprobung neuer Versorgungsmodelle mit dem Ziel, stationäre Aufenthalte durch frühzeitige ambulante Hilfe zu vermeiden. Dabei soll bei Betroffenen nicht nur die Krankheit selbst behandelt werden. Vielmehr sollen auch die Lebensbedingungen als Teil einer ganzheitlichen Versorgung stärker berücksichtigt, sowie die Zusammenarbeit der beteiligten Berufsgruppen verbessert werden.


"Klar ist aber: Alleine durch Veränderungen des Gesundheitssystems werden wir die Zunahme psychischer Erkrankungen nicht stoppen können. Es muss insbesondere gelingen, unser Leben zu entschleunigen und den Stress auf ein gesundes Maß zu reduzieren. Das schafft fast niemand alleine. Dazu benötigen wir eine breite Debatte, wie wir künftig leben möchten", so Ministerin Steffens.

 

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