In Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als vier Millionen Suchtkranke. Sie sind vor allem abhängig von Alkohol, Tabak oder Medikamenten. Weniger als ein Prozent der Suchtkranken sind von illegalen Drogen abhängig. "Sucht hat immer eine Geschichte!" – an diesem Leitsatz orientiert sich die Sucht- und Drogenpolitik des Landes. Diese Geschichte fängt nicht mit der ersten Einnahme einer süchtig machenden Substanz an und hört nicht mit deren Absetzen oder Ersetzen auf.
In der Vorbeugung liegt der Schwerpunkt der Arbeit daher auf der Förderung von Eigenverantwortung, Konfliktfähigkeit und sozialer Kompetenz. Die Hilfsangebote sind in erster Linie als Hilfe zur Selbsthilfe angelegt – von der Gesundheits- und Überlebenshilfe bis zu Maßnahmen zur beruflichen und sozialen Integration.
Austariertes Dreisäulenkonzept
Grundlage der Sucht- und Drogenpolitik in Nordrhein-Westfalen ist ein Dreisäulenkonzept, in dem
- Prävention,
- Hilfen – Behandlung und Integration – und
- Repression
in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen.
Während sich die Prävention in erster Linie an Kinder, Jugendliche und ihre Bezugspersonen richtet, wenden sich die Hilfeangebote vor allem an die Suchtgefährdeten und Abhängigen. Unter Repression wird in erster Linie die konsequente Strafverfolgung von Drogenhandel und Beschaffungskriminalität verstanden.
Die differenzierten Hilfeangebote sollen die Betroffenen in die Lage versetzen, einen Weg aus der Sucht zu finden. Obwohl der Suchtpolitik Nordrhein-Westfalens ein ganzheitlicher Ansatz zu Grunde liegt, werden zum Teil auch gezielt die Besonderheiten einzelner „Süchte" herausgestellt, die eine besondere gesundheits- und sozialpolitische Relevanz haben. Dies gilt etwa für die Abhängigkeit von Alkohol, Tabak und Glücksspiel.
Gezielte Suchtprävention
Die Suchtprävention in Nordrhein-Westfalen setzt beim Gesundheitsbewusstsein und Gesundheitsverhalten der Bevölkerung an und ist auf einen verantwortungsvollen Umgang mit den Suchtmitteln ausgerichtet. Sie zielt auf eine Stärkung der Persönlichkeit durch die
- Förderung von Eigenverantwortung,
- Konfliktfähigkeit und
- sozialer Kompetenz.
GINKO, die Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung, befasst sich gezielt mit der Verbesserung und Weiterentwicklung der Suchtprävention in Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus wird die Präventionsarbeit der örtlichen Sucht- und Drogenberatungsstellen durch Prophylaxefachkräfte unterstützt.
ginko Stiftung für Prävention
"Sucht hat immer eine Geschichte"
Die örtlichen Präventionsmaßnahmen werden durch die mit Landesmitteln geförderte Kampagne "Sucht hat immer eine Geschichte" begleitet. Im Rahmen der Kampagne werden Sucht-Aktionswochen durchgeführt. In einer Vielzahl von Einzelveranstaltungen werden die unterschiedlichen Aspekte der Sucht den jeweiligen Zielgruppen – zum Beispiel Info-Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche und deren Bezugspersonen – nahe gebracht.
ginko Stiftung für Prävention
Vernetzte Hilfsangebote
Die Hilfen für Suchtgefährdete und Suchtkranke umfassen neben den Maßnahmen zur Beratung, Betreuung und Behandlung auch die berufliche und soziale Integration. Oberstes Ziel der Hilfen ist die Abstinenz.
Dieses Ziel ist häufig jedoch nicht unmittelbar, sondern nur in Schritten erreichbar. Erste Ansprechpartner bei Suchtproblemen sind die Sucht- und Drogenberatungsstellen, durch die auch in andere weiterführende Hilfen vermittelt werden kann.
Die verschiedenen Hilfeangebote müssen individuell angepasst und flexibel sein sowie zum frühest möglichen Zeitpunkt ansetzen. Um bei jeder Problemlage einen geeigneten Zugang zu den notwendigen Suchthilfeangeboten zu gewährleisten, müssen die Hilfen ferner ausreichend differenziert und zugleich miteinander vernetzt sein.
Nordrhein-Westfalen verfügt daher über ein differenziertes und qualifiziertes Netz von Hilfeangeboten. Dazu gehören:
- Sucht- und Drogenberatungsstellen
- Einrichtungen zur Behandlung (Landschaftsverbände LVR und LWL)
- Niedrigschwellige Angebote (beispielsweise Straßensozialarbeit, Kontaktläden, Notschlafstellen)
- Substitutionsgestützte Behandlungsangebote
- Drogentherapeutische Ambulanzen
- Drogenkonsumräume
- Nachsorgemaßnahmen (Landschaftsverbände LVR und LWL)
- Anerkannte Einrichtungen zur Behandlung betäubungsmittelabhängiger Straftäter (Übersicht)
- Wiedereingliederung in Arbeit, Beruf und Gesellschaft
- Maßnahmen zu „Gender und Sucht"
- Sucht-Selbsthilfe